Kirgistan 2016


Kirgistan – ein neues Land, eine neue Herausforderung. Es wurde und wieder einmal bewusst, dass eine Expedition viel mehr ist als das Erreichen des Gipfels. Es ist ein Abenteuer als Ganzes, der Planung, das intensive Vorbereiten, dem Flug, der Anreise und Aufstieg zum Basislager und zur guter Letzt das Klettern am Berg. Es ist ein intensives Erleben, ein Abenteuer, mit Verzicht und verlassen der Konfortzone. Das Abenteuer in Kirgistan lehrte uns viel, und gab uns auch viel zurück. 

 

So flogen Marcel und ich am 12 Juli 2016 nach Bishkek. Dort organisierten wir innerhalb von einem Tag das gesamte Essen und das Taxi, das uns am nächsten Tag nach Karakol und weiter ins Gebirge brachte. In Karakol konnten wir zu guter Letzt unsere PET- Flaschen mit Benzin füllen, nachdem wir mehrere Tankstellen vergeblich abgeklappert hatten. Wir wurden zuerst nur schräg angesehen, als wir versucht hatten zu erklären, dass wir das Benzin für unseren Kocher brauchen. Von Karakol aus ging es dann direkt ins Gebirge hoch. Wir wussten das die Strassen schlecht sind, doch je länger die Fahrt dauerte, desto mehr wurde mir bewusst, was eigentlich „schlecht“ heisst. Irgendwann, nach dutzende Male aufsetzen des Taxis auf Steine, standen wir an einem riesigen Tümpel, der die Strasse überschwemte. So reichte es unserem Taxifahrer und wir stellten uns darauf ein von hier an zu tragen. Doch als wir schon den ersten Rucksack auf den Schultern hatten, kam uns ein Alter VW- Bus entgegen. Er willigte ein uns nach oben zu bringen und fuhr uns noch einmal 7km weiter ins Tal hinein. Doch dann war auch hier Schluss die Strasse endete abrupt, da sie vom reissenden Fluss weggespült wurde. So hiess es auch wieder hier Ausladen. Es Regnete und wir kamen uns vor wie „Ausgesetzt in der Wildnis“. Zwei Tage nach dem wir in Zürich abgehoben sind standen wir also schon am Ende der Strasse, am Anfang von unserem Abenteuer. Die darauffolgenden fünf Tage waren wir damit beschäftigt unser ca. 150kg Material und Essen ins 25km entfernte Basecamp zu transportieren. Nach dreimaligem hochlaufen, einigen Flussüberquerungen und überstandenen Hundeangriffen, erreichten wir endlich unser Basecamp, vermeindlich. Nachdem wir das ganze Camp gemütlich eingerichtet hatten wurden wir von einer Herde Kühen umstellt. Sie liessen sich zwar davontreiben aber es ging so weit das sie uns mitten in der Nacht attackierten. So verschoben wir das Camp 200m nach Süden und verstärkten es mit einem Reebschnur Zaun. Dies hielt die neugierigen Tiere allerdings auch nicht ab und so mussten wir das Camp ein 2. Mal verschieben, allerdings um auf Nummer sicher zu gehen gerade einen Kilometer weiter zur Gletschermoräne, wo wir definitiv unsere Ruhe fanden. Zu guter Letzt bemerkten wir das unser Satellitentelefon nicht funktionierte. So konnten wir uns nicht zu Hause melden und bekamen auch kein aktuellen Wetterbericht. Dank einer Gruppe Tracker die nach Karakol liefen, konnten wir dann wenigstens über sie ein Email an unsere Eltern zukommen lassen. Das wir nun auf uns Alleine gestellt waren ohne Gewissheit was das Wetter macht, störte uns wenig, es machte unser Abenteuer sogar noch ein wenig Spannender.

Brigantina Peak 4495m – Nordwandcouloir

Da wir kein Wetterbericht hatten, war es mit der Planung auch nicht so einfach. So hiess es in der Nacht Aufsehen und das Wetter begutachten. In den ersten zwei Nächten, wo wir unsere erste Tour geplant hatten, schliefen wir weiter, da wir in einer Nebelsuppe lagen. Allerdings hatten wir in der einten Nacht vergeblich weitergeschlafen, den die Sonne uns am Morgen weckte. Am dritten Tag war das Wetter schön und wir starteten um 5 Uhr. Auf dem Gletscher mussten wir spuren, der Niederschlag von den letzten Tagen macht sich bemerkbar. Nach dem Bergschrund änderten sich die Verhältnisse zu nahezu perfekten Eisbedingungen. Es erwarteten uns 5 traumhafte Längen im steilen Eis. Auf dem Vorgipfel entschieden wir den langen Grat auf den Hauptgipfel nicht mehr zu machen, den es macht sich schon wieder schlechtes Wetter bemerkbar. Beim Gletscher unten kam dann auch schon der Regen. Zurück im Basecamp mussten wir leider feststellen das wir beim Einkauf ein wenig daneben gegriffen hatte: Die vermeintliche Tomatensauce entpuppte sich als Ketchup und die Beutelsaucen als Gewürzmischung, siehe da unsere Beutelsaucen waren sogar auf Deutsch angeschrieben es stand gut leserlich „Gewürzmischung (DE)“. Egal fein war es Trotzdem.


Dzhigit Peak 4970- Versuch Nordwand

Nach einem Erholungstag, dem 2. Mal Bascamp verschieben und wieder 2 Tage schlecht Wetter abwarten war es dan wieder soweit. Um 1.00Uhr war die Nacht sternenklar. Mit dem Ziel die Dzhigit Peak Nordwand zu durchsteigen tapten wir im Lichtkegel der Stirnlampe den Gletscher hoch . Im oberen Teil vom Gletscher mussten wir wieder wie üblich spuren. So standen wir um 6.00Uhr Pünktlich zum Sonnenaufgang am Bergschrund. Wir stiegen ein und traversierten zu unserem Couloir. Es folgen 8 traumhafte Längen im kompakten Eis, nahezu perfekt zum Klettern. Je höher wir kamen desto schmaler wurde unser Couloir und steiler. Fast senkrechte Aufschwünge waren zu Bewältigen. Das Ambiente in der Wand war Atemberaubend links und rechts von unserem Couloir klebte der Schnee am Felsen. Nach der siebten Länge die Marcel geklettert hatte kam ich wieder an die Reihe. Ich kletterte, setzte nach 15 Meter eine Eisschraube und kletterte weiter. Kurz vor einem Steilaufschwung machte ich Stand, ich stand vor der Schlüssellänge. Marcel kam nach und übernahm direkt wieder den Vorstieg. Nach 10 Meter stoppte er. Das Eis war zu Ende es war nur noch Pressschnee in einer senkrechten Verschneidung, das setzen von Schlaghacken oder Frends, war nicht möglich. Ob man nach 50 Meter einen Stand bauen kann stand auch in den Sternen. Und der Ort um eine solche „Harakiri-Länge“ zu versichern  war hier auch nicht der Richtige. So entschieden wir uns abzuseilen. Nach 10 x 50 Meter standen wir wieder am Gletscher unten und liefen zurück zum Basecamp. Mit einer Tafel M-Butget Schoggi konnten wir dann trotzdem auf ein geile Eislinie anstossen.

Brigantina Peak 4500m N-Pfeiler & Albatros Überschreitung

Gestern noch kletterten wir am Dzhigit und heute war das Wetter immer noch gut. Da wir nicht wussten ob und wann das Wetter wieder wechselt, gönnten wir uns keinen Ruhetag und krochen schon wieder um 4.00Uhr aus den Schlafsäcken. Wir machten uns wieder auf den Weg zum Brigantina Peak. Auf dem Gletscher am Fuss des Gipfels entschieden wir uns für den sehr ästhetisch Aussehenden Nordpfeiler auf den Vorgipfel. Wir waren top motiviert und fanden einige schöne Felslängen vor. Auf dem Vorgipfel querten wir zum Hauptgipfel herüber. Dort entschieden wir weiter dem Grat zu folgen  über die beiden Albatros Peaks und ins andere Tal Abzusteigen. Auch dieser Grat war traumhaft schön, aber Brüchig und sehr lange. Wieder Pünktlich zum schlechten Wetter waren wir wieder auf dem Gletscher und erneut nach 12h zurück im Basecamp, wo wir wieder mit Schoggi und einer Büchse Thunfisch unsere Tour feierten.

Dzigit Peak 4970m Nordostwand

Nach einem Erholungstag starteten wir erneut in Richtung Dzigit. Das Wetter war wieder der Hammer und das klettern durch die 1000M hohe Nordostwand, es war ein Traum . Obwohl die Wand für uns recht einfach war hatte es in der Mitte noch eine Schöne Eislänge, die dem Ganzen ein wenig die Würze gab. Im oberen Teil kletterten wir dann trotz recht flachem Gelände von Stand zu Stand, so hatte man immerhin ab und zu Zeit um die Beine zu entspannen. Zu guter Letzt konnte ich noch die Wächte überklettern und setzte mich auf die andere Seite. Der Grat zog sich dann noch einmal sehr in die Länge und vor allem mussten wir kräftig spuren. Um 10 Uhr war es dann endlich geschafft. Wir standen auf dem Gipfel des Dzhigit Peak. Mit einer wunderschönen Aussicht wurden wir belohnt, wir konnten uns kaum satt sehen, doch wir mussten ja auch wieder nach unten . Der Abstieg über den gesamte Grat zog sich dann sehr in die Länge und wir mussten wieder viel spuren, einige Spalten überwinden und Nassschneerutschen ausweichen. Pünktlich  , als wir unten waren, begann es am Gipfel zu donnern. So gemütlich wäre es da oben nicht mehr.

Frühzeitiger Abbruch

Nach der erfolgreichen Besteigung vom Dzhigit folgte eine lange Schlechtwetterperiode. 4 Tage Regen. Leider war nicht nur das unser Problem. Weit grösser war das Problem mit den Finger von Marcel. Bei ihm bildete sich wieder auf den Finger komische Ekzeme, die so schmerzhaft waren das er kaum mehr zum Schlaf kam. Nachdem auch Schmerzmittel keine besserung versprachen, entschieden wir die Expedition abzubrechen. Den die Angst vor einer Infektion wurde grösser und wir hatten keinen Arzt dabei. Ein weiteres Problem mit dem wir schon seit mitte der Expedition kämpften, war unserer Benzinkocher. Er war so verdreckt das die Leistung von Mal zu Mal abnahm bis er dann schliesslich ganz den Geist aufgab. Das Putzen des kocher half auch nichts mehr. So entwickelten wir einen Notkocher, der aus einer alten Büchse mit Löcher bestand. Benzin rein, anzünden und Topf drauf. Den im kalten Wasser eingelegte Teigwaren überhaupt nicht fein und schmeckten irgendwie nach kaltem Schleim.

 

Der Entscheid war gefasst. Wir brachen ab. Kehren zurück in die Zivilisation. So holte Marcel am Vormittag des 2. Augusts unser Depot am Fuss vom Dzhigit. Am Nachmittag stiegen wir dann mit 35 kg auf dem Rücken ins Trecking Camp ab. Einen Tag darauf weiter zur Strasse. Wir hatten Glück, denn am Ende der Strasse stiessen wir auf einen alten Mann, mit einem alten Puch. Im Schneckentempo fuhren wir mit ihm aus dem Vally nach Karakol, in ein Hostel und gönnten und eine wohlverdiente Pizza. Schon am nächsten Tag hatten wir wieder ein Taxi organisiert das uns direkt an den Flughafen von Bishkek brachte. Dort konnten wir den Flug umbuchen und flogen  am Freitag wieder in die ruhige Schweiz zurück. Ein sehr spannende Expedition neigt sich dem Ende zu, doch das nächste Abenteuer stand schon wieder zwei Wochen später vor der Tür.