Fast and light in den Alpen

Churfirsten (Bilder vom Juni)

Nach einer erfolgreichen Nordwandsaison begann Mitte Juni mein jährlicher, unbezahlter Urlaub. Während zwei Trainingswochen verbrachte ich viel Zeit auf dem Rennvelo und machte unter anderem eine Tour auf den Piz Morteratsch, natürlich mit Shorts, da es selbst auf 3700 Meter Höhe viel zu warm war. Danach reizte mich wieder einmal die sogenannte Kaiserroute im Toggenburg. Die Besteigung aller sieben Churfirsten an einem Stück. Zuletzt habe ich diese Route mit 3600 Höhenmeter im Juni 2018 absolviert und mit knapp 6 Stunden und 30 Minuten auf dem Chäserrugg beendet.

 

Diese Zeit wollte ich unterbieten. Ich startete um halb 10 Uhr morgens in Starkenbach. Es war bereits sehr warm und schwül. Dennoch kam ich gut voran und war erstaunt, als ich nach 4 Stunden und 54 Minuten auf dem Chäserrugg eintraf. 

Glärnisch Guppengrat

Bereits einen Tag später stand ich auf dem Blüemlisalphorn. Am darauffolgenden Wochenende folgte die Nadelgratüberschreitung als Rekordtour mit Maximilian Gierl.

 

Da die Nadelgrat solo Speed Begehung schon seit letztem Jahr auf dem Programm stand, wollte ich diese Tour diesen Sommer in Angriff nehmen. Bevor ich mich auf diese Tour begab wollte ich noch den Guppengrat am Glärnisch klettern, auch hier war mir bewusst, dass ich im technischen Gelände sehr schnell sein konnte. Ich startete in Schwanden auf 529m.ü.M mit leichter Ausrüstung und einem zügigen Tempo bis zur Guppenalp. Diese liegt auf Gut 1658m.ü.M und ist der Beginn des schwierigen Abschnittes der Tour. Nach einem Pfad ändert sich die Umgebung schnell und wechselt in steiles T6 Gelände, dieser Schwierigkeitsgrad zieht sich bis auf die letzten 300 Höhenmeter hin. Ab dort folgte ich einem steilen Grat bis auf den Gipfel des Vrenelisgärtli auf 2900m.ü.M. Ich stoppte meine Uhr und war wieder einmal überrascht, dass ich nur 2 Stunden und 16 Minuten brauchte. Danach gönnte ich mir eine kurze Pause und joggte hinunter bis zum Klöntalersee, wo ich mit 4 Stunden und 7 Minuten Gesamtzeit eintraf. 

Nadelgrat Hufeisen (Bilder von Rekotour mit Max)

Drei Tage später brach ich dann auf zum Nadelgrat. Nach einer Nacht in Niedergrächen startete ich um halb 5 Uhr morgens in Gasenried. Im Schein der Stirnlampe wanderte ich den Weg hoch Richtung Galenjoch. Ich merkte schnell, dass heute nicht mein Tag war. Ich kam nicht in die Gänge und auch meinen Puls brachte ich nicht auf Hochtouren. Da ich bereits letztes Jahr umgekehrt bin, wollte ich diesmal nicht so leicht aufgeben und kämpfte weiter. Ich kam dennoch einigermassen schnell voran und freute mich riesig, als es beim Klein Dirruhorn mit leichtem Klettern weiterging. Zeitweise wurde der Nebel sehr dicht, doch mein Ziel war mindestens das Dirruhorn zu besteigen. Nach 3 Stunden und 30 Minuten stand ich auf dem ersten 4000er und hatte wieder Sonne im Gesicht. Leider reagierte mein Körper negativ auf die Höhe und ich hatte sichtlich Mühe weiterzugehen. Dennoch kletterte ich weiter und beendete die Nadelgratüberschreitung mit dem Erreichen des Nadelhornes nach weiteren 1h 23min.

 

Zeitweise kämpfte ich mit dem Gedanken, umzudrehen, doch an diesem Punkt erinnerte ich mich an das Erlebnis auf der Pik Lenin Überschreitung vor einem Jahr, in Kirgistan. Denn so erschöpft wie dazumal war ich heute nicht mal ansatzweise. Ein altes Sprichwort besagt: „Wenn man an den Punkt ankommt, an dem man nicht mehr weiterkann, dann kann man noch mindestens doppelt so weit.“ Dies gibt mir immer wieder Kraft, wie auch heute. Deswegen kletterte ich weiter über das Ulrichshorn, Balfrin, bis auf das Gross Bigerhorn. Damit die Hufeisenüberschreitung komplett war, stieg ich wieder runter nach Gasenried. Für diese Tour brauchte ich 8 Stunden und 22 Minuten. Ich war zufrieden und wusste tief in mir drin, dass dies in einer besseren körperlichen Verfassung noch viel schneller zu bewältigen gewesen wäre.